Panorama

Getöteter Hund im US-Bundesstaat New York: Ein Herz für Pitbulls

Rex schmust mit einer Leopardendecke. Seine Schnauze ruht auf dem Sofa, die Ohren sind vertrauensvoll angelegt. Er blickt nach oben und sieht ein bisschen schüchtern aus.

Seine Besitzer haben das Bild gepostet. Darauf prangt ein Neon-Schriftzug: #justiceforrex. Denn Rex lebt nicht mehr. Ihr Nachbar Toquoc H. soll ihn erwürgt haben, um sich selbst und einen anderen Hund vor dem Pitbull zu schützen. Toquoc H. steht nun vor Gericht, Rex‘ Besitzer werfen ihm Tierquälerei vor. Zu dem Gerichtstermin am Donnerstag erschienen zahlreiche Unterstützer, berichtete die „New York Times„.

Sie trugen T-Shirts mit der Aufschrift #JusticeforRex, schrien dem Angeklagten H. „Mörder“ hinterher. Was war passiert?

Auf der Halbinsel Long Island im US-Bundesstaat New York kam es zu einem folgenschweren Aufeinandertreffen dreier Nachbarshunde: Pitbull Rex, Goldendoodle Quincy und einem namenlosen Shih Tzu. Am Ende lebte Rex nicht mehr – Toquoc H. hatte ihn zu Tode gewürgt.

Während die Hunde nicht sprechen können, erzählen die beteiligten Menschen recht unterschiedliche Versionen des Vorfalls.

Laut Dominic P. habe der Shih Tzu des Nachbarn P.s Pitbull Rex während eines Spaziergangs ins Bein gebissen. Toquoc H. wiederum sagt, Rex sei der Angreifer gewesen. Beide Männer gaben an, Toquoc H. habe seinen Shih Tzu schließlich in die Wohnung gebracht.

Daraufhin sei Rex laut Dominic P. erneut attackiert worden, diesmal von einem Goldendoodle namens Quincy. Dessen Besitzer habe keine Leine bei sich getragen, auch er muss sich deshalb vor Gericht verantworten.

Als Dominic P. intervenierte, sei er von Quincy ins Gesicht gebissen worden, gab Dominic P. gegenüber der Polizei an. Indes will Shih-Tzu-Besitzer Toquoc H. von seiner Wohnung aus gesehen haben, wie Rex den anderen Hund Quincy biss.

Rex im Schwitzkasten

Toquoc H. kam aus seiner Wohnung und nahm Rex in den Schwitzkasten, drückte ihm die Luft ab. So weit ist man sich einig. Gegenüber der Polizei sagte Toquoc H.: „Ich habe Rex gewürgt, damit er aufhört, Quincy zu beißen“. Als der Hund abgelassen habe, habe er ihn weiter gewürgt, um zu verhindern, dass er sich stattdessen auf ihn, Toquoc H., stürze.

Er habe Rex‘ Besitzer gesagt, er solle eine Leine holen. Besitzer Dominic P. gab an, Toquoc H. habe ihm gedroht: „Ihr Hund wird sterben“. Quincys Besitzer Steven R. sagte der „New York Times“, er sei Toquoc H. dankbar – er habe das Leben seines Hundes gerettet.

In den sozialen Netzwerken reagierten viele Nutzer wütend auf den Tod des Pitbulls. Rex hat nicht nur seinen eigenen Hashtag, sondern auch eine Instagram– und Facebook-Seite. Die Unterstützer und seine Halter werfen Nachbar H. vor, er habe Rex getötet, weil er ein Pitbull sei.

Pitbulls stehen in Deutschland in mehreren Bundesländern auf sogenannten Rasselisten. Diese beruhen auf der Annahme, dass manche Hunderassen von Geburt an aggressiver sind als andere. Diese Annahme ist jedoch umstritten. Auch in den USA gibt es spezielle Regeln und Verbote für als aggressiv geltende Hunderassen. Städte oder Bundesstaaten dürfen bestimmte Rassen sogar verbieten.

„Rex ist unser Sohn“, sagte Mitbesitzerin Elina G. „Wir haben ihn so erzogen, dass alles an ihm freundlich ist.“ Die Hundehalter haben ihren Nachbarn wegen Tierquälerei verklagt.

Tierquälerei wird in den USA als Vergehen, nicht als Verbrechen geahndet. Das bedeutet: geringere Strafen. Rex‘ Unterstützer und seine Familie wollen, dass sich dies ändert. Die Schwester von Rex‘ Halter Dominic P. startete eine Petition: Mehr als 270.000 Menschen haben bereits unterschrieben.

In Deutschland gelangte 2018 Stafford-Terrier-Mischling „Chico“ zu unrühmlicher Berühmtheit. Der Hund tötete seine Besitzer und wurde später eingeschläfert. Die zuständigen Behörden wurden des „Mordes“ bezichtigt, Mitarbeiter erhielten Morddrohungen.

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